#1 – Wie soll das eigentlich gehen auf diesen Milongas?

…na dann mal los!

Wir haben die letzten 10 Minuten genutzt, um eine repräsentative Umfrage bezüglich der meistgewünschten Blogthemen mit Jean-Pierre oder Cathrine* durchzuführen. Jean-Pierre oder Cathrine* tanzt Tango, hilft uns manchmal hinter der Bar und wünschte sich als erstes Thema etwas Soziales. Das passt gut, denn die liegen uns schon immer sehr am Herzen. Deshalb unser erstes Thema:

Wie soll das eigentlich funktionieren auf einer Milonga?

Im Prinzip ist ja alles klar, denn seit einigen Jahren gibt es auf vielen Milongas Flyer, die das Verhalten auf einer Milonga sehr genau erklären. Es geht um die Tanzrichtung, Abstände, Bahnen und Rückwärtsschritte. Wenn sich alle an diese Regeln halten, kann niemandem etwas passieren.

Aber ist das wirklich das einzige Ziel, dass niemandem etwas passiert? Persönlich wünsche wir uns, dass uns auf einer Milonga viel passiert – viel Besonderes, viel Einzigartiges, viel Schönes! Und wir finden es besonders schön, wenn auch Einsteiger*innen und Menschen, die zu Gast in Berlin sind, nicht die Erfahrung zu machen, keinen Partner oder keine Partnerin zu finden, sondern aufgefordert und integriert zu werden.

Bei unserer letzten Tangoreise ins Engadin durfte ich, Sebastian, ein für Berliner Augen ganz ungewöhnliches Verhalten beobachten: Die lokalen Tanzenden wechselten dort bereits nach einem Lied, also mitten in einer Tanda, die Partner*innen, wenn ihnen auffiel, dass jemand an der Seite saß und nicht tanzen konnte. Obwohl ich selbst gern sehr lange mit derselben Person tanze und eher lange brauche, um jemanden tänzerisch wirklich kennenzulernen, fand ich es doch toll, zu sehen, wie frei in dieser kleinen Szene mit der Milongakultur umgegangen wurde.

Vielleicht ist die Zeit für einen zweiten Flyer und einen zweiten „Milonga-Inspiration-Guide“ gekommen. Nach unserer Meinung sollte dieser Flyer jedoch keine Regeln und Verbote enthalten, sondern vielmehr Inspiration schenken, uns zu neuen Ideen verhelfen und anregen, alte Muster aufzubrechen, Ängste zu überwinden und Milongas in Berlin zu einem Ort des entspannten Miteinanders und neuer Begegnungen zu gestalten.

Wir haben dazu schon einmal folgende Ideen und Anregungen gesammelt:

1. Tanze auf der Milonga mit einem oder mehr Menschen, mit denen Du noch nie getanzt hast!

2. Wenn Du anrempelst oder angerempelt wirst, versuche, freundlicher darüber zu lachen, als das andere Paar! Versuche vielleicht auch, Dich so zu bewegen, dass das Anrempeln niemandem wehtut.

3. Versuche, auch mit den am wenigsten tanzerfahrenen Menschen auf der ganzen Milonga zu tanzen und sie für den Tango zu begeistern!

4. Wünsche Dir von der DJ-Person konkrete Musikstücke und empfiehl ihr/ihm neue Musikstücke, die dir oder anderen gefallen!

5. Versuche, die erste Person zu sein, die mit einer neu angekommenen Person tanzt – sobald diese Person den Eindruck macht, tanzen zu wollen!

6. Wenn jemand lange sitzt – auffordern!

7. Trau Dich, Dich von einer Person auffordern zu lassen, die augenscheinlich Angst vor Dir hat. Und gehe unvoreingenommen in diese Begegnung!

8. Trau Dich, mit einer Person zu tanzen, die so schön tanzt, dass es Dir Angst macht!

99. Lies Dir ruhig den anderen Flyer mit den Regeln einmal durch. Er liegt in fast allen berliner Milongas auf. Die Idee, generell vorsichtig zu tanzen ist eine gute. Aber es gibt noch andere wichtige Themen beim Tango. Nutze den bisherigen Flyer als Startpunkt für Deine eigenen Ideen, um jede Milonga, die Du besuchst, noch ein bischen schöner zu gestalten!

 

Und jetzt seid Ihr dran: Welche Ideen könnten dazu beitragen, Milongas noch offener, vielfältiger und bunter werden zu lassen und die Szene einladender und für noch mehr Menschen zugänglich zu machen? Schreibt uns einen Kommentar. Vielleicht können wir ja gemeinsam während der „Coronapause“ einen neuen Flyer zusammenstellen!

 

* Name von der Redaktion geändert!

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